Hochbegabtenförderung


Artikel PNP

Müssen Hochbegabte noch gefördert werden? Antworten auf diese Frage versuchte eine Veranstaltung des CSU-Ortsverbands Deggendorf im Kolpinghaus zu geben.

Julia Seidl-Jakob von der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind erklärte in der von Vorsitzendem Christian Moser geleiteten Veranstaltung das Phänomen Hochbegabung, Oberstudiendirektorin Hannelore Alt stellte die neue Modellklasse am Comenius-Gymnasium vor.

Als Hochbegabte werden Personen bezeichnet, die einen IQ über 130 besitzen.

Nur rund zwei Prozent der Bevölkerung eines Landes gelten als hochbegabt. Diese zeichnen sich durch hohe Wissbegierde und eine sehr gute Lern- und Merkfähigkeit aus.

Zudem interessieren sie sich schon früh für philosophische und/oder technische Themen. Ihre Gesprächsthemen und Hobbys sind nicht altersgemäß. Hochbegabte entwickeln subtile Gedanken über die Zusammenhänge in der Welt.

Es gibt einige Gründe, weshalb Hochbegabte gezielt gefördert werden müssen: Auch für sie gilt, dass eine herausragende Leistung aus zehn Prozent Inspiration und aus 90 Prozent Anstrengung besteht. Außerdem passiert es öfters, dass Hochbegabte zu Schulversagern werden, da sie aufgrund ihrer Begabung Lern- und Arbeitstechniken nicht erlernt haben.

Auch der Neid und das Unverständnis der Umgebung bewirken oft mangelndes Selbstwertgefühl und Depressionen bei hochbegabten Menschen.

Eine gezielte Förderung ist deshalb für das Selbstvertrauen, die optimale Leistungserbringung und das allgemeine Wohlbefinden der Hochbegabten sehr wichtig. Bei besonders intelligenten Kindern kann eine Frühbildung, eine vorzeitige Einschulung oder das Überspringen einer Klasse in Frage kommen.

Es gibt auch die Möglichkeit, dass Hochbegabte zusätzliches Material oder schwierigere Aufgaben im Unterricht bekommen.

Sie können zudem an Pull-out-Programmen teilnehmen. Das bedeutet, dass sie für eine gewisse Zeit Seminare im In- oder Ausland besuchen.

Mentoring-Programme bieten individuelle Förderung, bei denen durch maßgeschneiderte Lernaufgaben positive Effekte für die Fähigkeiten und die Persönlichkeit erzielt werden.

Ab dem Schuljahr 2009/2010 bietet das Comenius-Gymnasium eine Modellklasse für Hochbegabte in der fünften Jahrgangsstufe an. Letztendlich soll in jeder Jahrgangsstufe eine Klasse speziell für hochbegabte Schüler zur Verfügung stehen.

Das Comenius-Gymnasium wurde wegen seiner Tätigkeit als Seminarschule bei der Ausbildung von jungen Lehrkräften, der Nähe zur Hochschule Deggendorf und dem hauseigenen renommierten Internat für die Bildung einer Modellklasse für Hochbegabte ausgesucht, sagte Hannelore Alt.

Die Schüler der Modellklasse können im Internat wohnen, wobei einkommensschwache Familien Vergünstigungen in Anspruch nehmen können. Ein Quereinstieg während des Schuljahrs sei auch möglich, sagt Alt. Die Modellklasse biete den Vorteil, dass Schüler mit ähnlichen Voraussetzungen zusammen lernen.